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Politik

Flugschämen – oder doch gleich Existenzschämen?

1. August 2019

Wir Deutsche sind ein reiselustiges Völkchen. Egal, wo auf der Welt man sich befindet, man begegnet uns überall. Das liegt zum einen daran, dass man vor Nachbarn und Kollegen ganz gerne prahlt, wenn man seinen Urlaub in Neuseeland, in Costa Rica oder auf Madagaskar verbracht hat. Doch es ist nicht nur das, sondern es ist auch unser Interesse daran, zu sehen, wie die Menschen dort leben, wie die Landschaft an diesem Teil der Erde aussieht, was es dort für Tiere gibt – aber auch die Kontaktfreude unseres Volkes.

Doch seit kurzer Zeit gibt es – im Zuge der Klimawandelthematik – vermehrt die Forderung, man solle sich „flugschämen“. Damit ist gemeint, es sollte gesellschaftlich geächtet sein, wenn man aus Vergnügen irgendwohin fliegt. Geschäftlich oder natürlich auch politisch erforderliche Flüge sollen davon selbstverständlich ausgenommen sein. Der Deutsche soll seinen Urlaub zu Hause verbringen. Geduldet könnte sein, wenn er sich mit dem Fahrrad fortbewegt oder natürlich per „sauberem“ Elektromobil, das natürlich mit Öko-Strom geladen wird. Die Tatsache, dass man z.B. den geschützten Roten Milan immer wieder durch Störung seiner Brutstätten von geplanten Windradstandorten vertreibt oder sogar vergiftet, um dort Windräder bauen zu dürfen, spricht nicht gerade für „sauberen“ Strom. Auch die Gefahren des akustisch nicht wahrnehmbaren Infraschalls, der von Windkraftanlagen ausgeht, wird in der Presse und in der gesamten Energiediskussion völlig außer Acht gelassen, ebenso wie die irgendwann erforderliche Entsorgung der massenhaft verbauten Solarpaneele.

Nach diesem kurzen Ausflug zum „sauberen“ Ökostrom wieder zurück zur Flugscham. Wir sollen demnach aufhören zu fliegen. Es ist nicht die Überlegung, dass man jahrzehntelang verpasst (bzw. verboten) hat, nach neuen und wirklich naturverträglichen Energiequellen zu forschen, wie beispielsweise die Kernfusion, die Wasserstoffenergie oder die Freie Energie generell. Nein, es wird im Bürger ein schlechtes Gewissen produziert, und er soll von selbst auf das Fliegen verzichten. Es ist absolut nachvollziehbar, dass man nicht zu oft fliegen soll und auch eine Kreuzfahrt belastet die Umwelt, keine Frage, doch die Art und Weise, wie diese jetzt plötzlich notwendige Scham argumentiert wird, sollte uns zu denken geben. Das wäre dasselbe, wie wenn man uns sagt, wir sollten doch endlich aufhören, Nahrung zu uns zu nehmen, damit die Erde nicht weiter mit Glyphosat belastet werden muss. Verstehen Sie, was ich meine? Die Verantwortung wird umgekehrt! Gestern wurde der Dieselfahrer belohnt, heute ist er der Böse.

Wir gelten als Verschwender und Umweltzerstörer, wenn wir Reisen unternehmen. Man bedenke hierbei auch, dass die Bewohner vieler Reiseziele in die absolute Armut verfallen würden, wenn der Tourismus wegfallen würde – ach nein, es sind ja nur die Deutschen, die nicht mehr kommen dürfen! Der Rest der Welt reist ja weiterhin!

Aber es geht ja auch nicht nur um das Reisen. Es stehen noch ganz andere Forderungen im Raum:

  • Wir sollten auf Urlaub verzichten!
  • Wir wohnen in viel zu großen Gebäuden!
  • Wir haben eine gepflasterte Terrasse, die das Regenwasser nicht hindurchlässt!
  • Wir gehen zum Arzt, wenn wir uns krank fühlen und belasten die Krankenversicherungen mit den 8 Minuten, die sich der Arzt für uns Zeit nehmen darf.
  • Wir atmen und stoßen das hochgiftige CO2 aus, das die Erde zerstört. Wie konnten die Erde und die Menschheit nur diese lange Zeit überstehen? Sollte da in der Evolution etwas falsch gelaufen sein?

Natürlich wissen wir alle, dass die Ausbeutung der Ressourcen der Erde schädlich ist, doch wie soll das Volk es schaffen, aus diesen auszusteigen, wenn die wirklichen Alternativen nicht aufgegriffen werden und teilweise gar nicht erforscht werden dürfen? Wir wissen doch, dass man beispielsweise keine Produkte kaufen soll, die das billige Palmöl enthalten, weil die Palmölplantagen dafür verantwortlich sind, dass uralte, riesige Regenwaldflächen abgeholzt werden, was sowohl dem Klima, wie auch der Artenvielfalt enorm schadet. Aber wie soll es das alte Mütterchen aus der Nachbarschaft erreichen, den Regenwald zu retten, wenn sie sich doch nur die Billigprodukte leisten kann? Solange das alles erlaubt ist, wird es weiter so praktiziert.

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Aber interessant ist, dass ausgerechnet wir für alles verantwortlich sein sollen: Für die schweren Stürme, die Regenmassen, die Dürren, die Ursachen der Flüchtlingswelle … (wobei die wahren Verursacher in ganz anderen Ebenen zu finden sind, siehe mein Buch „Sklavenplanet Erde“). Jeden Tag werden wir damit konfrontiert, dass wir Deutsche für alles schuldig sind. Uns kann man natürlich jegliche Schuld aufladen, denn wir haben Schuld sozusagen erfunden. Diese Thematik habe ich in meinem Buch „Nutzlose Esser“ ausführlich beleuchtet. Und wir können darauf warten, dass uns in Kürze ein schlechtes Gewissen eingeredet wird, allein deshalb, weil wir leben. Bereits vor Jahren hat der ehemalige Bundespräsident (1994-1999) Roman Herzog das schon ausgesprochen: „Die Älteren müssen sich schon fragen, ob sie zu sehr auf Kosten der Jüngeren leben“ [1]. In Kürze wird man den älteren Menschen nahelegen, dass sie doch bitte endlich die Todespille schlucken sollen, sobald sie das Rentenalter erreichen, damit sie den Jüngeren nicht auf der Tasche liegen – und natürlich, damit sie kein CO2 mehr produzieren. Doch wir sollten uns fragen, warum diejenigen, die sich so sehr auf unser Gewissen stürzen, nicht bei sich selbst beginnen!

Denken Sie mal darüber nach!

Machen Sie’s gut

Ihre Gabriele Schuster-Haslinger

 

 

 

 


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