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Wirtschaft & Finanzen

Deutschland verschleudert seine Ersparnisse im Ausland

7. August 2019

Eine zentrale und immer wieder erläuterte Kernthese von mir ist, dass wir Deutschen unser Geld falsch anlegen und deshalb keineswegs ein reiches Land sind. Dazu gehört auch die Feststellung, dass die Exportüberschüsse nicht so vorteilhaft sind, wie immer gedacht. Sie wären es nur, wenn wir die damit spiegelbildlich, wie bei der doppelten Buchführung, zusammenhängenden Kapitalexporte gut anlegen würden. Doch das tun wir nicht, wobei die TARGET2-Salden nur ein besonders extremes Beispiel für unsere Dummheit sind. Wie groß die Verluste sind, die wir erleiden, zeigen die Forscher Franziska Hünnekes und Christoph Trebesch vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie Moritz Schularick von der Universität Bonn in einer neuen Studie, über die die NZZ berichtet:

  • „Deutschland hat in den letzten Jahren so viel Geld im Ausland angelegt wie keine andere Nation. 300 Mrd. € sind es jährlich. Das ist das Spiegelbild seiner hohen Exportüberschüsse. Die Frage ist allerdings, ob sich diese Anlagen auch gelohnt haben. (Ein) Vergleich von zwölf Staaten (führt) zu einem ernüchternden Ergebnis: Seit 1975 hat Deutschland unter den großen sieben Industrieländern am schlechtesten abgeschnitten.“ – Stelter: Und das ist nicht nur theoretisch ärgerlich, sondern für jeden von uns auch praktisch. Ein wichtiger Grund, weshalb wir zu den Ärmsten in der Eurozone gehören. Wir könnten das Geld viel besser im Inland anlegen.

Quelle: NZZ

  • „Während etwa die Amerikaner auf ihren Auslandengagements eine nominale jährliche Rendite von 10,6% eingestrichen haben, kam Deutschland gerade mal auf 4,9%. Auch im Vergleich mit europäischen Ländern hat Deutschland einen Rückstand von 3 Prozentpunkten. Das Bild verbessert sich etwas, wenn man die Inflation berücksichtigt. Dann ist Deutschland an neunter Stelle von 13 Staaten.“ – Stelter: Das klingt auf den ersten Blick für Laien – also die Deutschen – nicht dramatisch. Aber wenn man Jahr für Jahr mit Zinseszinseffekt fünf Prozentpunkte mehr erzielt, führt das zu einem massiven Unterschied. Bei 4,9 Prozent werden aus 100 Euro über 42 Jahre 746 Euro, bei 10,6 Prozent aber 6882 Euro!
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  • „Nun könnte man vermuten, dass die Deutschen ihre Mittel einfach konservativer anlegen als die Bewohner anderer Länder. Wer weniger Aktien und mehr Anleihen kauft, muss mit einer geringeren Rendite rechnen, da er auch weniger Risiken eingeht. Doch das ist nicht der Haupteffekt. Vielmehr schneiden die Deutschen innerhalb der Risikoklassen schlecht ab, und hier sticht das Aktienengagement negativ hervor. Der Renditerückstand gegenüber anderen Ländern liegt bei 4 Prozentpunkten.“ – Stelter: Wir haben also schlechtere Geldmanager als andere Länder. Vielleicht sollten wir den Briten unser Geld anvertrauen?
  • „Die Analyse legt ferner nahe, dass es besser gewesen wäre, deutsche Firmen und Private hätten sich stärker am Heimmarkt engagiert. Wenn man den Berechnungen ein Portfolio von deutschen Anleihen, Aktien und Immobilien zugrunde legt, rentierte dieses über die letzten zehn Jahre um 4 Prozentpunkte mehr als ein im Ausland investiertes Vermögen.“ – Stelter: Es wäre ohnehin besser, mehr im Inland zu investieren! Nebeneffekt wären geringere Handelsüberschüsse, was gut wäre. Eine wichtige Rolle könnte dabei auch der Staat spielen, aber der konsumiert ja lieber.
  • Theoretisch ist es angesichts der demografischen Entwicklung richtig in anderen Regionen, vor allem den Schwellenländern zu investieren. „Doch für dieses Motiv sehen die Autoren kaum Evidenz: 70% der Auslandguthaben konzentrieren sich auf Industrieländer, die vor den gleichen demografischen Herausforderungen stehen wie Deutschland. Dagegen flossen in den letzten zehn Jahren weniger als 10% der Mittel in dynamische Schwellenländer, obwohl diese Länder mittlerweile für die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung stehen.“ – Stelter: Wir werden ein sehr sehr armes Land sein in den kommenden Jahrzehnten. Ich empfehle in meinen Kommentaren zur Geldanlage immer ein global diversifiziertes Portfolio, das sich am BIP orientiert und damit einen höheren Anteil an Schwellenländern hätte.

Schmankerl am Ende: „Hätte man das Geld so erfolgreich wie die Norweger investiert, hätte man allein seit der Finanzkrise eine zusätzliche Rendite von grob 30 000 € pro Person erzielen können (…)“ – Stelter: was für ein Armutszeugnis! Denn unser Median-Haushaltsvermögen liegt in Deutschland bei nur rund 60.000 Euro. Was wir hier sehen, ist ein hart arbeitendes und sparendes Land, das die Früchte seiner Arbeit verschenkt.


Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com

 


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