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Politik

WZB-Studie zum Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Wachstum von Armutsvierteln nicht politisch korrekt genug

25. Juli 2019

Die Faz berichtete am 17. Juli von einer sehr detaillierten Studie des WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung), die sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Zuwanderer nach Deutschland in den verschiedenen sozialen Räumen in den Städten verteilen. Der Untersuchungsraum bewegt sich zwischen 2014 und 2017. Die Studie selbst ist nicht im Netz zu sehen. In einer Pressemitteilung vom 5. Juni gibt das WZB eine Zusammenfassung in dürren Worten und verweist auf das „Discussion Paper“.

In dessen Einleitung steht zu lesen:

„In diesem Beitrag untersuchen wir, wie die sozialräumliche Verteilung von Zuwanderern in den

Jahren 2014 bis 2017 in den deutschen Städten aussah: Inwieweit hängt die räumliche Verteilung

von Ausländern in diesem Zeitraum mit der sozialen Lage der Stadtteile (gemessen über die SGB-IIQuoten 2014) zusammen? Für die Untersuchung greifen wir auf Daten aus 86 deutschen Städten mitinsgesamt 3.770 Stadtteilen zurück. Die Mehrzahl stammt aus der Innerstädtischen

Raumbeobachtung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung.“

Interessanterweise berichtet die Faz zwar sachlich und folgt dem Tenor der Studie/des Discussion Papers, offenbar aber haben die beiden Autoren der Studie keinen großen Hehl daraus gemacht, dass die Politik eine Studie in Auftrag gab, die von einem renommierten Institut stammen musste – der Glaubwürdigkeit wegen –  aber gefälligst zu politisch korrekten und gewünschten Ergebnissen kommen sollte.

Die Ungeduld der Politik dränge auf Ergebnisse, möglichst schnell sollten sie vorliegen. Und die Studie sollte, so schreibt die Faz, „den Nachweis erbringen, dass die Flüchtlinge sich rasch integrieren würden, dass sie die deutsche Gesellschaft nicht überforderten und sich in ihrer sozialen Schichtung dieser Gesellschaft bald angleichen würden.“

In der gegebenen Zeit konnten die beiden Studienautoren, Marcel Helbig, Professor für Bildung und soziale Ungleichheit am WZB und an der Universität Erfurt sowie Stefanie Jähnen,  Promotionsstipendiatin am WZB in der Projektgruppe der Präsidentin, natürlich noch keine gültigen Aussagen zu der Integration der Flüchtlinge machen. Allerdings gibt es erste, schon weitgehend valide Erkenntnisse „und die zeichnen ein ernüchterndes, teilweise sogar entmutigendes Bild der deutschen Integrationsgesellschaft“.
Es wurde bald deutlich, bemerkten die beiden Wissenschaftler, dass nicht alle Antworten, die die Untersuchung ergab, von den Auftraggebern erwünscht waren.

Welche Überraschung.

Was wir aus der Eile und dem Druck aus der Politik und der Reaktion auf „unerwünschte Ergebnisse“ entnehmen können, sind mehrere Punkte.

Zum Ersten: Die Politik bekommt es mit der Angst zu tun. Man hat offensichtlich in den Elfenbeintürmen der Macht ganz oben bis in die Niederungen der Parteipolitik hinunter allen Ernstes geglaubt, da kommen Unmengen billiger Arbeitskräfte nach Europa, die sich alle auf unterbezahlte Stellen stürzen und ackern, wie die Mulis. Und dass eine beträchtliche Anzahl gut Ausgebildeter kommt, die auch in mittleren Berufen durch Dumpinglöhne das allgemeine Lohnniveau drücken werden, den teuren, verwöhnten, deutschen Arbeitnehmern den Rang ablaufen und der Industrie billige Arbeitskräfte bescheren.

Zum Zweiten denkt man wohl in Berlin, man könnte mit einer zurechtgebogenen Studie dem blöden populistischen Pack allen Ernstes weismachen, es liefe doch alles ganz prima und wir schaffen das. Die Zuwanderer integrieren sich, noch zwei Jährchen und Mohammed und Laila sind von Hans und Grete nur noch durch einen dunkleren Teint zu unterscheiden. Soviel Realitätsferne ist schon beeindruckend. Vielleicht sollte die Studie aber auch den Massenmedien als Argumentationshilfe dienen, wie das schon oft der Fall war.

Zum Dritten scheinen auch die Sozialwissenschaftler und Soziologen langsam genug davon zu haben, dass sie schönreden sollen, was nicht schön zu reden ist und geben ihrem Ärger darüber auch Luft.

Zum Vierten wird in den aufgeführten Fakten sonnenklar, dass die allermeisten Zuwanderer ziemlich umstandslos in den sozialen Netzen landen und die meisten dementsprechend in solchen Vierteln leben, wo billiger Wohnraum zu bekommen ist und wo ihre Landsleute und Großfamilien schon wohnen. Wer im wahren Leben lebt, weiß auch ohne Studie, dass sich das zwangsläufig ergibt und einfach menschlich ist. Wenn Ali oder Mohamad hier in Deutschland ankommt, dann hat er schon eine Adresse, wo ein paar Verwandte wohnen und ihn erst einmal aufnehmen. Dass diese Verwandten sich natürlich in ihrem sozialen Umfeld nach einer Wohnung für Ali und Mohamad umsehen und diese Wohnung nicht im Upper-Class-Villenviertel ist, sondern eine Straße weiter, liegt auch nahe.

Sehr hübsch auch dieses wissenschaftliche Ergebnis:

„Auch zeigt sich, dass dieser Effekt in Ostdeutschland stärker ausgeprägt ist als in westdeutschen Städten. Hier wie dort lasse sich außerdem ein „positiver linearer Zusammenhang“ zwischen der SGB-II-Quote und Ausländeranteilen feststellen: Je mehr Hartz-IV-Empfänger, desto mehr Migranten.“

Oder auch: Je mehr Migranten hinzuziehen, umso mehr HartzIV-Empfänger gibt es in dem Stadtteil. Was ist zuerst da, die Henne oder das Ei?

Und dass die Schutzsuchenden von der staatliche Stütze zwar gut leben können, aber eben kein schickes Haus mieten, dürfte auch nicht allzu schwer zu verstehen sein. Die Studie ist eigentlich von Anfang an für die Füße gewesen.

Die Frage der Faz ist daher wohl rein rhetorisch:
„Hat die Zuwanderung also tatsächlich zu einer „Armutsballung“ in den deutschen Städten beigetragen? Die Daten der WZB-Forscher lassen an diesem Befund keinen Zweifel zu.“

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Jedenfalls werden die beiden Wissenschaftler recht deutlich:

„So kamen 2016 zwar rund 722.000 Asylbewerber nach Deutschland, aber ebenfalls fast 800.000 EU-Bürger. Dabei handelte es sich häufig um Arbeitskräfte etwa aus Bulgarien und Rumänien, die in Deutschland nur einfache Hilfstätigkeiten übernehmen können.

Die Zuwanderung nach Deutschland ist auch deshalb im Wesentlichen eine Armutszuwanderung, und das schlägt sich in den Zahlen der Studie nieder: Der Anstieg der Ausländeranteile in sozial sehr ungünstigen Vierteln der untersuchten Städte war dreimal so hoch wie in den deutlich bessergestellten. Auch zeigt sich, dass dieser Effekt in Ostdeutschland stärker ausgeprägt ist als in westdeutschen Städten. Hier wie dort lasse sich außerdem ein „positiver linearer Zusammenhang“ zwischen der SGB-II-Quote und Ausländeranteilen feststellen: Je mehr Hartz-IV-Empfänger, desto mehr Migranten. In der Gesamtschau, so die beiden WZB-Forscher, entwickelt sich die deutsche Gesellschaft dadurch sozialräumlich weiter auseinander.“

Hier erfahren wir, dass die Zuwanderung nach 2015 eben nicht stark zurückgegangen ist, sondern dass über 1,5 Millionen Zuwanderer insgesamt allein in 2016 kamen – und nicht nur fast zwei Millionen in den ganzen Jahren. Und diese Zahl ist nur die offizielle. All die illegal Eingewanderten sind in dieser Zahl nicht enthalten. Man wird wahrscheinlich nicht falsch liegen, wenn man von insgesamt mehr als drei Millionen Migranten nach Deutschland hinein ausgeht.


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